In Kanada gibt es ein Pflegeheim, das schon acht „Therapiegärten“ angelegt hat. Wie erfahren die Bewohner diese Gärten? Bei der Erforschung dieser Frage ergaben sich nützliche Tipps.
Tipps für einen sinnvollen Garten
- Der Garten muss frei zugänglich sein. Deshalb sollten sich die Türen automatisch öffnen.
- Deutliche Wegweiser anbringen, damit jeder den Garten finden kann.
- Freie Plätze im Garten für Picknicks (und Gärtnerarbeit) schaffen.
- Dafür sorgen, dass Menschen gärtnern können.
- Ausreichend Schatten und Windschutz.
- Wege für Rollstühle.
- Geländer, damit sich die Bewohner festhalten können.
- Farbige Wege gegen das Auf-den-Boden-Starren.
- Hochbeete anlegen.
- Darauf achten, dass alle Pflanzen ungiftig sind.
- Personal und ehrenamtliche Helfer ermutigen, die Gärten zu besuchen (mit den Bewohnern).
- Regelmäßig überprüfen, ob die Gärten noch den Erwartungen entsprechen.
Wozu dient ein Therapiegarten?
In dem untersuchten Pflegeheim in Kanada wurden die Gärten im Hinblick auf fünf Zielsetzungen angelegt:
- Sichere Umgebung.
- Ein Ort der Reflexion.
- Ein Ort zum Ausruhen.
- Sozialkontakte pflegen.
- Ein Ort zum Gärtnern.
Ergebnisse & Schlussfolgerungen
Wie gefallen den Besuchern die Gärten?
Fast alle Testpersonen empfinden den Garten als angenehmen Ort. 83 Prozent, darunter auch viele Angehörige, haben mindestens einen der acht Gärten besucht. Mit 80 Prozent ist sich die große Mehrheit darüber einig, dass fast alle Ziele des Gartens erreicht sind – außer der Möglichkeit, darin zu gärtnern.
Sicher und barrierefrei?
Bei einem Blick auf die spezifischeren Elemente des Gartens sind die Meinungen geteilt. 70 Prozent finden, dass er für Rollstühle gut zugänglich ist, und 65 Prozent empfinden die Geländer und Beete als sicher. Andere befürchten, die Bewohner könnten sich zwischen den Geländern verfangen. Auch den Teich, der vom Architekten als Schmuckelement und der Aussicht wegen angelegt wurde, sehen manche als Gefahr.
Nur der geringe Teil von 16 Prozent ist der Ansicht, dass die Gärten ausreichend beschattet sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Bäume zum Zeitpunkt der Studie noch jung und klein waren. Das Personal hegt die meiste Skepsis über die Elemente im Garten.
Werden die Gärten genutzt?
Nicht alle Bewohner nutzen das Angebot der Gärten. Als Grund dafür wird Personalmangel genannt. Es gibt zu wenig Anreize, die Gärten zu besuchen. Manche kritisieren mangelnde Barrierefreiheit: Die Türen öffnen sich nicht automatisch, und die Wegweiser fehlen.
Wie sieht es heute aus?
Nach dieser Studie wurden mehrere Änderungen vorgenommen. Inzwischen öffnen und schließen sich die Türen automatisch. Und im Garten gibt es nun einen freien Platz zum Picknicken und zum Gärtnern. Ein positiver Nebeneffekt war, dass Menschen im Pflegeheim wieder auf die Gärten aufmerksam wurden.
Einzelheiten der Studie
Wer hat mitgemacht?
An dieser Studie in einem kanadischen Pflegeheim beteiligten sich Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, Bewohner und deren Angehörige. Die Bewohner waren Menschen mit Alzheimer, die noch in der Lage waren, mitzumachen. Insgesamt füllten 190 der 750 Teilnehmer einen Fragebogen aus. Die Bewohner wurden interviewt.
Worauf wurde geachtet?
Während der Untersuchung der spezifischeren Elemente in diesen Gärten wurde darauf geachtet, dass rollstuhlgerechte Wege vorhanden waren; farbige Wege, um das Auf-den-Boden-Starren zu verringern; Geländer; Hochbeete; ungiftige Pflanzen; Schutz vor Sonne und Wind.
Grenzen dieser Studie
Nachteilig ist, dass die Studie im Winter stattfand, einer Jahreszeit, in der es oft weniger verlockend ist, nach draußen zu gehen. Außerdem basiert die Studie ausschließlich auf den Aussagen der Teilnehmer, die den Fragebogen zurücksandten, so dass eine Auswahlgruppe entstand.
Schließlich: Der Garten wurde nicht im Hinblick auf die Privatsphäre der Bewohner getestet.
Quelle
„Evaluating the effect of therapeutic gardens.“ Y. Heath. American journal of Alzheimer’s disease and other dementias, 2004.