Menschen mit psychischen Problemen geht es besser, wenn sie Musik machen. Das hat der weltberühmte Neurologe Oliver Sacks entdeckt. Italienische Forscher zeigen, dass das auch für Menschen mit Demenz
gilt.
Wissenschaftler aus Italien wollten herausfinden, ob Musiktherapie dazu beitragen kann, psychische Störungen und Verhaltensprobleme bei Demenzkranken zu verringern. Mit Musiktherapie ist gemeint: der Einsatz von Musikinstrumenten, um die Kommunikation zwischen dem Musiktherapeuten und den Klienten zu verbessern.
Weniger Verhaltensprobleme
Demenzkranke Senioren, die Musik machen, zum Beispiel trommeln, fühlen sich wohler in ihrer Haut. Musiktherapie führt bei ihnen tatsächlich zum Abbau von psychischen Störungen und Verhaltensproblemen. Das erwies sich nach acht und nach sechzehn Wochen Therapie. Und sogar noch vier Wochen nach dem Ende der Therapie zeigten die alten Menschen weniger Verhaltensprobleme. Die therapiebedingte Verbesserung blieb also erhalten. Reduziert wurden vor allem folgende psychische Störungen und Verhaltensprobleme: Wahnvorstellungen, Aggression, Gleichgültigkeit, Angst, Reizbarkeit, nächtliche Unruhe und/oder Schlafstörungen und zielloses Wiederholungsverhalten.
Beziehung zum Musiktherapeuten
An der Musiktherapie nahmen die Demenzkranken aktiver als an anderen Therapien teil. Sie spielten nicht nur das Musikinstrument, sondern gingen eine echte Beziehung zum Musiktherapeuten ein.
Schließlich war im Verlauf der Musiktherapie ein Fortschritt darin festzustellen, wie häufig die Teilnehmer lächelten oder lachten, den Körper zur Musik bewegten oder sangen.
Einzelheiten der Studie
An der Studie nahmen insgesamt 59 alte Menschen teil, die in drei Altenheimen in Norditalien lebten und an mittleren bis schweren Formen von Demenz litten. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe mit dreißig Teilnehmern nahm an der Musiktherapie mit drei Therapiezyklen von jeweils zehn halbstündigen Sitzungen teil. Für die zweite Gruppe mit 29 Teilnehmern bestand das Angebot aus verschiedenen Aktivitäten mit personeller Zuwendung und geistiger Stimulation (Wannenbäder, Denkübungen) und anderen angenehmen Tätigkeiten (wie Kartenspiel oder Zeitunglesen), je nach Vorliebe der Patienten.
Kommunikation verbessern
Die Wissenschaftler entschieden sich für eine Musiktherapie, bei der nicht gesprochen wurde. Sowohl Rhythmus- wie Melodieinstrumente kamen zum Einsatz, um die Kommunikation zwischen den Teilnehmern zu verbessern: Rhythmusinstrumente wie Trommel, Tamburin, Rumbakugeln oder Triangel sowie Melodieinstrumente wie zum Beispiel ein Xylofon.
Test
Die psychischen Störungen und Verhaltensprobleme wurden anhand des NeuroPsychiatric Inventory (NPI) erfasst. Der Test erfolgte vor dem Beginn der Therapie, dann nach acht sowie erneut nach sechzehn Wochen. Vier Wochen nach dem Ende der Behandlung wurden noch einmal Messdaten erhoben.
Nachteil
Ein Nachteil der Studie ist, dass die Kommunikation zwischen dem Therapeuten und den Teilnehmern der Kontrollgruppe nicht untersucht wurde. Deshalb lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass die Verbesserung der Beziehung zum Therapeuten ein Ergebnis der Musiktherapie ist und nicht generell durch eine Therapie bewirkt wurde.
Quelle
Efficacy of music therapy in the treatment of behavioral and psychiatric symptoms of dementia;
Alfredo Raglio, Giuseppe Bellelli, Daniela Traficante, Marta Gianotti, Maria Chiara Ubezio, Daniele Villani, Marco Trabucchi
Italien 2008