Geht die Morgenpflege mühsam vonstatten? Einfach dabei singen! Eine schwedische Studie hat ergeben, dass eine singende Pflegekraft einen guten Einfluss auf alte Menschen mit Demenz ausübt. Sie verhalten sich positiver, empfinden mehr Freude, sind weniger aggressiv und die Kommunikation fällt leichter. Auch Hintergrundmusik wirkt sich positiv aus.
Ziel der Studie
Pflegende helfen alten Menschen mit Demenz morgens beim Waschen und Anziehen. Das kann in der gewohnten Weise ablaufen, doch es gibt auch zwei andere Möglichkeiten: Die Pflegekraft kann Hintergrundmusik anstellen oder für den alten Menschen bzw. mit ihm zusammen singen. Die Forscher wollten wissen, wie diese verschiedenen Arten der Pflege die Senioren beeinflusst.
Resultate und Schlussfolgerungen
Die gebräuchliche Morgenpflege
Während der normalen Morgenpflege fühlten sich die Patienten körperlich und seelisch nicht besonders wohl. Anzeichen dafür waren:
- eine zusammengesackte Körperhaltung, langsame und asymmetrische Bewegungen und Lustlosigkeit;
- begrenztes Bewusstsein des persönlichen Raumes und der physischen Umgebung;
- eine ausdrucksarme Miene;
- wenig körperliche Kraft;
- Probleme beim Gehen, Gleichgewichtsprobleme;
- Handlungen der Eigenpflege konnten nicht gut und selbstständig ausgeführt werden;
- keine Reaktion, wenn der Pflegende etwas sagte oder fragte;
- aggressives Verhalten gegenüber dem Pflegenden.
- Letzteres kann daraus resultieren, dass die Pflegekraft während der Pflegehandlungen die Grenze der Intimsphäre überschreitet.
Morgenpflege mit Hintergrundmusik
Das Verhalten der Patienten änderte sich, wenn bei der Morgenpflege vertraute Hintergrundmusik zu hören war. Folgende Änderungen wurden festgestellt:
- eine gestrecktere Haltung und kraftvollere und mehr symmetrische Bewegungen;
- Verbesserung des allgemeinen sinnlichen Bewusststeins: größeres Bewusstsein von sich selbst und der Umgebung;
- sie waren besser imstande, Handlungen der Eigenpflege auszuführen;
- Abnahme des Verwirrtheitsgrades;
- Verbesserung der Kommunikation zwischen Pflegekraft und Patient;
- weniger Widerstand und kein aggressives Verhalten gegenüber der Pflegekraft.
Die Pflegenden merkten, dass sich die älteren Menschen besser fühlten. Sie verhielten sich nicht nur positiver, sondern wirkten auch aufgeweckter und sahen froher aus.
Morgenpflege mit Gesang
Wenn die Pflegekraft für den oder mit dem Patienten bei der Morgenpflege sang, hatte das eine positive Wirkung auf den Patienten. Das zeigte sich an folgenden Merkmalen:
- bessere Körperhaltung, bessere Motorik und die Fähigkeit, fließende Bewegungen auszuführen;
- größeres Körperbewusstsein und Bewusstsein der physischen Umgebung;
- mehr Körperkraft und Flexibilität;
- geistige Wachheit;
- gute Kommunikation zwischen Pflegekraft und Patient.
Patient und Pflegekraft waren während dieser Form der Morgenpflege imstande, die Körpersprache des anderen zu verstehen, was die Kommunikation erleichterte.
Unterschied zwischen Hintergrundmusik und Singen
Wenn die Pflegekraft sang, ließen sich mehr Verbesserungen feststellen als beim Abspielen von Hintergrundmusik. Einige Beispiele: Wenn sie sangen, konnten die Pflegekräfte die Patienten zu Dingen animieren, von denen sie zuvor angenommen hatten, dass die Patienten dazu nicht mehr in der Lage seien. Kommunikation und Interaktion verliefen besser während der Pflege mit Gesang als während der Pflege mit Hintergrundmusik. Daraus ergibt sich, dass alte Menschen mit Demenz für eine Singstimme empfänglich sind.
Schlussfolgerung
Aus der Studie geht hervor, dass Pflegende während der Morgenpflege singen sollten. Das kann zu Verbesserungen der Haltung, Bewegung und des Körperbewusstseins führen. In etwas geringerem Maße lässt sich diese Wirkung auch durch das Abspielen von Hintergrundmusik erzielen. Singen ist eine sehr einfache und direkte Intervention. Es kann eine Ergänzung oder eine Alternative für eine medikamentöse Behandlung sein. Wenn es als Alternative benutzt werden kann, lassen sich dadurch Nebenwirkungen von Medikamenten wie z.B. Stürze verhindern.
Einzelheiten über die Studie
Die Teilnehmer
An dieser Studie waren neun Patienten mit fortgeschrittener Demenz beteiligt. Die fünf beteiligten Altenpflegerinnen hatten zwei bis neunzehn Jahre Erfahrung in der Geriatrie. Vor der Studie hatten sie die teilnehmenden Patienten mindestens ein Jahr lang gepflegt.
Ziel der Studie
Drei Arten der Morgenpflege wurden miteinander verglichen, und zwar die übliche Morgenpflege, die zur Kontrolle diente, ein Pflegeablauf mit vertrauter Hintergrundmusik und ein Pflegeablauf, bei dem die Pflegekraft für den Patienten oder zusammen mit ihm sang. Die Studie bestand aus insgesamt 27 Beobachtungseinheiten.
Qualität der Studie
Durch die kleine Zahl der Probanden ist die Aussagekraft der Studie begrenzt.
Quelle
Influence of caregiver singing and background music on posture, movement, and sensory awareness in dementia care
Zweden, E. Götell, S. Brown & S.L. Ekman, 2003.