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Lewy Body Demenz

Es gibt viele unterschiedliche Formen der Demenz. Um die Betroffenen Menschen bestmöglich unterstützen zu können ist es wichtig zu verstehen, an welcher Demenzform sie leiden.

Die Lew-Body-Demenz (LBD) ist nach Alzheimer die am häufigsten auftretende Demenzart. Menschen die darunter leiden weisen einen anderen Krankheitsverlauf auf als z.B. Alzheimer Patienten. Sie reagieren beispielsweise sehr empfindlich auf Neuroleptika bzw. Antipsychotika.

Bei der Lew-Body Demenz - auch Lewy-Körperchen-Demenz handelt es sich um eine fortschreitende Gehirnerkrankung, bei der sich im Verlauf der Krankheit immer mehr Lewy Körperchen im Gehirn bilden. Wie bei den meisten Demenzarten ist auch bei der Lewy-Body-Demenz nicht bekannt, wie sie entsteht. Heilmittel sind auch hier nicht bekannt. Die Erkrankung wird meist zwischen dem 50. und dem 83. Lebensjahr diagnostiziert und tritt vermehrt bei Männern auf. 

Die Diagnose dieser Demenzform ist schwierig. Bei lebenden Patienten ist eine Diagnostik lediglich basierend auf den auftretenden Symptomen möglich. 

Bislang ist ungeklärt, ob es sich um eine Form von Alzheimer oder Parkinson handelt oder ob es sich bei der Lewy Body Demenz um eine eigenständige Demenzform handelt. Deshalb spricht die Wissenschaft häufig von Demenz mit Lewy-Körperchen.

Die Untersuchung von Zellmaterial von vor vielen Jahren an Demenz verstorbenen Menschen zeigt, dass es LBD schon seit über 30 Jahren gibt. Sie wurde lediglich nicht als solche erkannt und als "normale" Demenz klassifiziert.

Man geht zur Zeit davon aus, dass in den Gehirnen von mindestens 15-20% der an Demenz erkrankten Menschen Lewy-Körperchen auftreten. In einer österreichischen Studie wurden die Gehirne verstorbener Demenzpatienten untersucht und festgestellt, dass 30 Prozent von ihnen (auch) an der Lewy-Body-Demenz gelitten hatten. Als LBD wurden jedoch nur 5% der hieran erkrankten Patienten. Sie wird also in den allermeisten Fällen nicht als Lewy-Body-Demenz erkannt. Die Diagnose lautet meist schlicht Alzheimer, vaskuläre Demenz oder Parkinson. Ursache hierfür ist, dass die Symptomatik der Lewy-Body-Demenz fast die gleiche ist, wie bei Alzheimer oder Parkinson. Eine Diagnose ist schwierig. Dies ist als mehr als problematisch zu betrachten, da den betroffenen Patienten keine optimale Behandlung zuteil werden kann.

Menschen mit Lewy-Body-Demenz zeigen mehrere der folgenden Symptome:

  • fluktuierender Kognition - d.h. jemand ist in einem Moment bei klarem Bewusstsein, im nächsten Moment nicht ansprechbar. Dieses Symptom tritt bei 80 bis 90 Prozent der Menschen, die an Lewy-Body-Demenz leiden.
  • Gedächtnisstörungen, die jedoch meist erst in einem späten Stadium auftreten.
  • Praktische Tätigkeiten gehen schwer von der Hand.
  • Stark verlangsamtes Denken.
  • Halluzinationen - es werden Dinge gesehen, die nicht existieren. Dieses Symptom tritt bei bei mehr als 70 Prozent der alten Menschen mit Lewy-Body-Demenz auf, häufig schon in einer frühen Phase des Krankheitsprozesses. In diesen Halluzinationen kommen oft Menschen oder Tiere vor.
  • Apathie, Angst, Wahnvorstellungen, Depressionen und Schlafstörungen.
  • Aggressives Verhalten und Erregungszuständen.
  • Probleme mit der Körpermotorik, z.B. Gangstörungen, Steifheit, Zittern. Ursächlich für einen "schlurfenden Gang" und häufigere Stürze. Verminderte Beweglichkeit der Arme. Diese motorischen Probleme treten bei 70 Prozent der alten Menschen mit Lewy-Body-Demenz auf.
  • Die oben bereits erwähnte überempfindlichkeit gegenüber Neuroleptika.
  • Unruhiger Schlaf. Während der REM-Phase erleben Patienten den Träume mit Händen und Füßen mit.

Bei Menschen mit Lewy-Body-Demenz dürfen Neuroleptika nicht oder nur mit großer Vorsicht verschrieben werden. Hierbei handelt es sich um sedierende und antipsychotische Arzneimittel - also Mittel die einen Realitätsverlust zu verhindern versuchen. Ursprünglich entwickelt wurden sie für Menschen mit Schizophrenie und Psychosen. Lewy-Body-Demenz Patienten reagieren besonders stark auf diese Medikamente.

Bei Einnahme von Neuroleptika treten bei Lewy-Body-Demenz Patienten vermehrt folgende Nebenwirkungen auf:

  • Bewegungsstörungen
  • Verstärkte Schweißabsonderungen
  • Erhöhte Körpertemperatur und Fieber
  • Erhöhter Puls
  • Stark schwankender Blutdruck
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Eintrübung des Bewußtseins
  • Stark erhöhte Hauttalg-Ausscheidung
  • Rapide Abnahme der Geistesfunktionen

Sollten diese Symptome auftreten sollten die Antipsychotika sofort abgesetzt werden. Zudem sollte der Patient auf Lewy-Body-Demenz untersucht werden. 

Moderne Antipsychotika (sogenannte atypische Antipsychotika) werden immer  immer häufiger – wenn auch mit großer Vorsicht – eingesetzt.

Alzheimer und Lewy-Body-Demenz
Alzheimer-Patienten haben seltener und schwächere visuelle Halluzinationen und Wahnvorstellungen als Lewy Body Erkrankte. Bei der Lewy Body Demenz treten motorische Probleme hingegen schwerwiegender und früher im Krankheitsverlauf auf. Bei Alzheimer-Patienten treten diese Symptome später und in stark abgeschwächter Form auf. Alzheimer Patienten haben vorrangig Gedächtnisprobleme. So genannte fluktuierenden Kognition ist bei Lewy-Body-Demenz gravierender als bei Alzheimer Patienten. 

Parkinson und Lewy-Body-Demenz
Die Lewy-Body-Demenz ähnelt in ihrer Symptomatik der Parkinsonschen Krankheit. Parkinson-Patienten leiden aber seltener unter visuellen Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Beide Krankheitsbilder weisen starke motorische Einschränkungen auf. 

Krankheitsverlauf
Der Verlauf einer Lewy-Body-Demenz ist sehr unterschiedlich. Er hängt davon ab, welche Stellen des Gehirns betroffen sind. Im Durchschnitt verläuft die Krankheit fünf bis sechs Jahre. Es können aber auch zwei oder bis zu 20 Jahre sein.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man noch zu wenig über LBD weiß und insbesondere die Diagnose nur nicht zuverlässig genug möglich ist. Die Diagnose und insbesondere die Frühdiagnose ist jedoch für die Betreuung und die medikamentöse Behandlung des Betroffenen von wesentlicher Bedeutung - für Ärzte, Geriater, Krankenschwestern, Altenpfleger und Angehörige. Je früher und zuverlässiger LBD diagnostiziert werden kann umso besser lassen sich Komplikationen von Neuroleptika vermeiden.