Vitamine, Getränke und Nahrungsmittel, um Alzheimer vorzubeugen oder den Krankheitsverlauf zu verzögern – offenbar entwickelt sich hier ein vielversprechender Markt. Aber halten diese Mittel auch, was sie versprechen? IDé entdeckte ernüchternde Studien und legte sie Professor Dr. Philip Scheltens vor. Lassen Sie sich ernüchtern – auch wenn nicht alles Unsinn ist.
Philip Scheltens ist Professor für Kognitive Neurologie an der Freien Universität von Amsterdam und Direktor des dem Medizinischen Zentrum der Universität angeschlossenen Alzheimer-Zentrums; außerdem ist er medizinischer Leiter der poliklinischen Abteilung Neurologie/Neurochirurgie der Universität.
1. Vitamine B helfen nicht, den Verlauf von Alzheimer zu verzögern. 
Vitamin B wird die Wirkung zugeschrieben, den Krankheitsverlauf von Alzheimer zu verzögern. Doch Vitamin B11, B6 und B12 haben keine Wirkung bei Menschen mit Demenz, wie eine Studie aus den USA zeigt. Es besteht noch Hoffnung in Bezug auf Vitamin B3. 2008 berichtete der englische Sender BBC von neuen Erkenntnissen über Vitamin B3, das auch als Nicotinamid bezeichnet wird (in Fleisch, Fisch, Bohnen, Getreide und Kartoffeln). Ein Experiment mit Mäusen, die Vitamin B3 verabreicht bekamen, zeigte u.a., dass bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn, die für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch sind, abnahmen. Das Experiment wird nun bei Menschen durchgeführt. Philip Scheltens warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: ,,Man darf nicht zu viel davon erwarten. Wenn ein Mangel besteht, muss man ihn ausgleichen, aber zu viel des Guten ist nicht unbedingt gut für das Gedächtnis!“
2. Auch Vitamin E hat nicht die erhoffte Wirkung.
Und was ist mit Vitamin E? Leider hält auch Vitamin E den Krankheitsprozess nicht auf, wie diese Studie ergab.
Philip Scheltens dazu: „Vitamin E verzögert den Krankheitsprozess nur bei sehr hohen Dosierungen, aber die sind ungesund für das Herz und in den Niederlanden außerdem unbezahlbar.“
3. Omega-3-Fettsäuren: widersprüchliche Nachrichten.
Der amerikanische Professor Fernando Gómez-Pinilla hat mehr als 160 Studien über den Einfluss der Ernährung auf das Entstehen von Demenz ausgewertet. Eine seiner Schlussfolgerungen lautet, dass Omega-3-Fettsäuren, die u.a. in Kiwis, Walnüssen und Lachs vorkommen, empfehlenswert sind, um das Gehirn gesund zu erhalten. Um ein optimales Ergebnis zu erreichen, sollte man außer auf dieses gesunde Essen auch auf ausreichend Bewegung und Schlaf achten, so der Professor. Aus einer anderen Studie soll hingegen hervorgehen, dass Fischöl, eine wichtige Quelle von Omega-3-Fettsäuren, nicht das erhoffte Wundermittel ist. Philip Scheltens zufolge sind die Nachrichten über die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren für eine Aufrechterhaltung der Gehirnfunktion tatsächlich widersprüchlich. ,,Wahrscheinlich geht es gerade um bestimmte Kombinationen von Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen, die eine positive Wirkung haben; das wird momentan weltweit erforscht.“ Es heißt also, noch eine Weile abwarten.
4. Mittelmeer-Diät hilft, Alzheimer vorzubeugen.
Eine mediterrane Ernährungsweise reduziert das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um etwa 40 Prozent. Das sagen Wissenschaftler der amerikanischen Columbia-Universität. Über einen Zeitraum von vier Jahren wurden 2258 ältere Versuchspersonen beobachtet. Ein Teil von ihnen ernährte sich mediterran (viel Gemüse, Salat, Obst, Fisch, Olivenöl, wenig Milchprodukte und bis auf ein Gläschen Rotwein wenig Alkohol), ein Teil nicht oder in geringerem Maße. Je strenger sich die Teilnehmer an den mediterranen Ernährungsstil hielten, desto stärker reduzierte sich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Und der schlanken Linie nützte es auch. Philip Scheltens sagt dazu:„Die sogenannte Mittelmeer-Diät ist sicherlich günstig, um das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu vermindern. Das Besondere an diesen Studien ist, dass es egal ist, wo jemand lebt! Eine Mittelmeer-Diät, und dabei sind hauptsächlich das Olivenöl und die Tomaten wichtig, scheint tatsächlich zu einem gesünderen Altern beizutragen. Nicht umsonst werden die Menschen in Süditalien im weltweiten Vergleich am ältesten.“
5. Der Alzheimer-Krankheit mit Kaffee vorzubeugen, ist ein Märchen.
Es gibt eine neuere Studie finnischer und schwedischer Wissenschaftler über den Einfluss von Kaffee zur Vorbeugung von Alzheimer. Die Forscher sind der Ansicht, dass drei bis fünf Tassen pro Tag für Menschen zwischen 45 und 59 Jahren das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, reduzieren können. Diese Studie ist jedoch umstritten, und auch Philip Scheltens sagt: „Kaffee gegen Alzheimer - das ist ein Märchen.“
6. Korpulenz: ein größeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.
Eine kalorienarme Diät ist gut für das Gedächtnis, sagen Wissenschaftler der Universität München. Man kann es auch umdrehen: Wer viel Fast Food zu sich nimmt, hat offenbar ein größeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, ergab eine Studie in Schweden. Philip Scheltens: ,,Bei Übergewicht steigt auf jeden Fall das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, dafür gibt es ausreichende Beweise. Hilft Abnehmen dann auch?Das ist vorläufig noch nicht bewiesen.“
7. Die fünf goldenen Regeln
Auf der Basis des heutigen Wissensstandes sieht die Anti-Alzheimer-Diät so aus: Iss nicht zu oft Fast Food. Achte auf dein Gewicht. Halte dich an die fünf goldenen Regeln des niederländischen „Ernährungszentrums“. Das meint auch Philip Scheltens. Die fünf Regeln lauten: Iss abwechslungsreich und nicht zu viel. Bewege dich. Reduziere den Anteil gesättigter Fettsäuren. Iss reichlich Gemüse, Obst und Brot. Achte auf Frische und Hygiene. Ein Urlaub in Süditalien kann natürlich auch nicht schaden … und nicht vergessen: gut kauen, denn das ist gut fürs Gedächtnis. Siehe das Interview auf dieser Website mit Erik Scherder,