Pflegeheime, schafft euch Aquarien an! Das ist kein Märchen: Alte Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, entwickeln mehr Appetit, wenn im Essraum ein Aquarium steht. Das haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt.

Mit der Alzheimerkrankheit geht oft ein Gewichtsverlust einher. Vermutet wird, dass Alzheimerkranke weniger Nahrung zu sich nehmen als gesunde Menschen. Kann die Umgebung dafür sorgen, dass sie wieder mehr essen? Bekommen sie vielleicht mehr Appetit, wenn sie Fische im Aquarium beobachten können? Das wollten amerikanische Wissenschaftler herausfinden.
Ozean-Poster
Die Alzheimerkranken zeigten nicht nur Interesse an den Aquarien, sondern wurden insgesamt lebhafter und aufmerksamer. Das wirkte sich auch auf ihr Essverhalten aus: Sie aßen mehr als vorher und nahmen zu. Anhand einer Kontrollgruppe wurde überprüft, ob das an den Aquarien selbst oder an der Veränderung der Umgebung lag. Bei der Kontrollgruppe wurde kein Aquarium im Essraum aufgestellt, sondern ein Ozean-Poster aufgehängt. Die Menschen aus dieser Gruppe aßen nicht mehr als vorher.
Vorteile
Die Wissenschaftler führen mehrere Vorteile auf. Eine ausreichende Ernährung sorgt für eine bessere Lebensqualität. Frühere Studien haben gezeigt, dass Alzheimerkranke seltener stürzen, wenn sie mehr essen. Auch Hautinfektionen, Geschwüren und bakteriell ausgelösten Entzündungen wird dadurch vorgebeugt.
Dass die alten Menschen mehr essen, ist auch in anderer Hinsicht ein Gewinn. Sie erleben die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die unterschiedliche Beschaffenheit, kurz gesagt, wie sich das Essen „anfühlt“: hart, weich, körnig. Das stimuliert die Sinnesorgane (schmecken, riechen, tasten). Wenn die Bewohner mehr essen, profitieren sie vom Nährwert und zugleich von den Sinnesreizen. Ein weiterer Vorteil: Man braucht kein Essen mehr wegzuwerfen. Und es ist preiswerter, denn alte Menschen, die besser essen, benötigen keine oder weniger Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine oder Proteine.
Katzen und Kaninchen
Ein Aquarium aufzustellen, hat einen weiteren Vorteil. Bisher wurde vor allem erforscht, wie sich die Haltung von Hunden, Katzen oder Kaninchen auswirkt. Diese Tiere brauchen viel Pflege und mitunter auch besondere Aufsicht. Aquarien hingegen sind eine sichere Angelegenheit und benötigen wenig Aufmerksamkeit von Seiten des Personals.
Einzelheiten der Studie
Insgesamt nahmen 62 Alzheimerkranke an der Studie teil. Es handelte sich dabei um Bewohner von drei Wohnbereichen aus Pflegeheimen in Indiana (USA). Ihr Körpergewicht wurde in den drei Monaten vor der Aufstellung der Aquarien erfasst sowie in den vier Monaten, in denen die Aquarien in den Pflegeheimen standen. Das Essen wurde vor und nach den Mahlzeiten gewogen, um festhalten zu können, wie viel gegessen worden war.
Spezielle Aquarien
Die Aquarien waren speziell für Menschen mit Demenz entwickelt worden. Zum Schutz der Fische und der Bewohner waren sie mit Schlössern versehen. In jedem der Becken befanden sich acht große, bunte Fische. Die Aquarien wurden auf Augenhöhe aufgestellt, so dass sie gut zu sehen waren. Sie hatten außerdem eine speziell entwickelte Hintergrundbeleuchtung, damit auch Bewohner mit Sehschwierigkeiten die Fische beobachten konnten.
Beschränkungen
Die Studie wurde mit Alzheimerpatienten durchgeführt. Ob auch andere Demenzformen vorlagen, wurde nicht berücksichtigt, obgleich denkbar wäre, dass manche Bewohner an einer Mischung verschiedener Demenzformen litten. Und schließlich wurde die Menge der Nahrung erfasst, nicht jedoch die Qualität.
Quelle
Animal assisted therapy and nutrition in Alzheimer’s Disease
Nancy E. Edwards, Alab M. Beck
Western journal of nursing research, USA 2002