Damit die Würde gewahrt bleibt!

Fixierung stoppen

Zum Leidwesen der meisten Demenzpatienten ist es immer noch gängige Praxis die Betroffenen zu fixieren um ein eigenständiges Aufstehen zu vermeiden und damit die Sturzgefahr zu verringern. 

Die Fixierung wirkt sich jedoch sehr negativ auf den Gemütszustand der Betroffenen aus, die sich wie Gefangene fühlen. Außerdem verlieren die fixierten Menschen an Koordination und Muskelmasse, weil sich ja nicht mehr aufstehen können bzw. dürfen. Zudem werden zur Kompensation kritischer Gemütszustände, die unter anderem aufgrund der Fixierung entstehen Beruhigungsmittel verabreicht. Diese verursachen zusätzliche Lethargie und Resignation. Der Verfall der Betroffenen wird beschleunigt.  

Ein Ansatz zu mehr Würde und Selbstbestimmung ist der Verzicht auf Fixierung. Dieser ist in vielen Pflegeeinrichtungen schwer durchsetzbar. Die meisten Pflegekräfte haben in ihrer Ausbildung eingebläut bekommen, dass Risikopatienten unbedingt zu fixieren sind um Stürze zu vermeiden. Über die Frage was wichtiger ist, Risikovermeidung oder Selbstbestimmung und Menschenwürde, lässt sich jedoch trefflich streiten. 

Entschließt sich eine Pflegeeinrichtung dazu auf Fixierung der Bewohner zu verzichten, muss sie sich mit den Wiederständen in den Köpfen der betroffenen Pflegekräfte auseinandersetzen. Neben konsequenter und beharrlicher Begegnung von Einwänden ist die Präsentation von Maßnahmen wichtig, mit denen dem vermeintlich erhöhten Unfallrisiko begegnet werden kann. 

Maßnahmen zur Unfallvermeidung können sein:

  • Anschaffung niedrig einstellbarer Betten
  • Benutzung von Hüftschutzhosen
  • Einschaltung von Physio und Ergotherapeuten zur Steigerung der Fitness
  • Steigerung der Ruhe der Bewohner durch Musik, Haustiere, Massagen, Hausclowns und co. 

Das Pflegeheim Lückerheide hat einen solchen Prozess vollzogen. Besonders bemerkenswert ist, dass in der Zeit nach der weitgehenden Abschaffung der Fixierung der Patienten die Anzahl der ernsthaften Stürze nicht gestiegen ist.