Wirklicher Kontakt - das ist das Allerwichtigste bei der Unterstützung von Menschen mit Demenz. Doch das ist nicht immer einfach, vor allem dann nicht, wenn die Demenz schon weit fortgeschritten ist. Hier können Clowns eine hilfreiche Rolle spielen. Über Clowns in Deutschland und den Niederlanden.
Seelenverwandte
,,Menschen mit Demenz und Clowns sind Seelenverwandte“, sagt Marcel Briand, ein Clown und Pionier. „Auch der Clown verhält sich auffällig und hat Probleme mit der Rationalität.“ Marcel Briand, Psychiatriepfleger aus der Schweiz, machte sich vor sieben Jahren als Clown selbstständig, da dem Schweizer das, was er in seinem Beruf für die Patienten tun konnte, irgendwann nicht mehr reichte (siehe: „Clowns in Pflegeheimen – Humor hilft im Umgang mit Demenzkranken).
Clowns in der Krankenpflege gewinnen immer mehr an Bedeutung, in den letzten Jahren auch in Pflegeheimen, hier vor allem, um Demenzkranke aus ihrer Isolation herauszuholen.
Nur da sein
,,Im Langzeitgedächtnis des Menschen ist der Clown positiv belegt“, sagt Clown Astrid Kleine-Tebbe aus Lippstadt. ,,Diese Situation nutze ich, um Zugang zu verwirrten oder dementen Menschen zu bekommen. Nicht mit einem vorgefertigten Spaßprogramm und eingeschlossener Lachgarantie, sondern in Form einer freundschaftlichen Begegnung.“
Astrid Kleine-Tebbe begegnet dem Demenzkranken als Clown, ,,um ihn fördernd zu aktivieren oder um zuzuhören, gemeinsam zu lachen oder zu weinen oder um einfach nur da zu sein.“
Clown Rosa
„Betrete ich verkleidet den Wohnbereich, versuche ich, die Normalität hinter mir zu lassen“, sagt Carmen Hörter. Sie ist als ,,Demenz-Clown Rosa“ der erste Demenz-Clown in den Alten- und Pflegeheimen St. Josef gGmbH in Selfkant-Höngen und Heinsberg-Waldenrath. „Emotionen zeigen und schenken ist einfacher, wenn ich nicht ich selbst bin.“ Carmen Hörter durfte als erste Deutsche eine 14-monatige, hoch qualifizierte Ausbildung an der Theaterakademie „Stichting miMakkus“ in Eindhoven absolvieren. „miMakkus“ ist eine Theaterakademie, die Demenz-Clowns ausbildet.
miMakkus
„Ein Clown kann ohne Sprache Kontakt herstellen. Er begibt sich auf die Ebene des Demenzkranken und wird eine Art Kumpel“, sagt Trudy Schambergen. Trudy ist Clown, Dozentin und Ausbildungsleiterin bei miMakkus, wo Clowns für Demenzkranke ausgebildet werden.
Jeder Clown ist anders, weiß Trudy, weil ein Clown aus sich heraus agiert. „Dein authentisches Selbst, dein Kern bestimmt, wie du als Clown bist.“
Was macht der Clown?
Der Clown richtet sich jeweils an eine Person und versucht, mit ihr Kontakt zu bekommen. Das kann lange dauern. Oft sitzt er zwanzig Minuten bei einer Person. „Aus diesem Kontakt macht der Clown etwas”, fährt
Trudy fort. „Er nimmt zum Beispiel einen Schal oder einen Ball und spielt damit, in der Hoffnung, dass der alte Mensch darauf reagiert. Oder er atmet mit ihm zusammen und bringt dann Töne hervor oder singt. Er möchte den Demenzkranken einen Moment Freude schenken. Sie sind für kurze Zeit wieder im Hier und Jetzt. Erfahren die Freude, die es bereitet, Kontakt mit jemand anders zu haben und wahrgenommen zu werden. Ihre Stimmung hellt sich auf, und sie werden ruhiger.“
Respekt
Die meisten Clowns von miMakkus arbeiten bereits in der Altenpflege, bevor sie mit der Ausbildung beginnen. Die Teilnehmer lernen, wie sie sich auf alte Menschen mit Demenz einstellen können. „Wie sie sich die Zeit nehmen müssen, um in aller Ruhe den Kontakt aufzubauen, und wie sie mit diesen alten Menschen umgehen können, ohne ihnen etwas aufzudrängen. Clown sein bedeutet vor allem, dass man Respekt vor alten Menschen mit Demenz hat.“