Viele alte Menschen mit Demenz haben Untergewicht. Doch man kann dafür sorgen, dass sie besser essen. Zum Beispiel, indem man eine gemütliche Atmosphäre schafft. Dazu gehört, kein fertig aufgefülltes Essen auf Tabletts anzubieten, sondern Schüsseln auf den Tisch zu stellen, aus denen sich jeder selbst bedienen kann. Das Ergebnis? Die Senioren nehmen zu und auch ihre geistigen Fähigkeiten verbessern sich!
Vor allem gegen Ende des Krankheitsverlaufs haben viele Demenzkranke Probleme mit dem Essen. Sie
erkennen ihren Teller und das Besteck nicht mehr. Nehmen sie mehr zu sich, wenn man die Umgebung ändert und sich ihnen individuell zuwendet? Das wollten die Forscher wissen.
Deutlicher Unterschied
Die Versuchspersonen waren in eine Kontrollgruppe und eine Interventionsgruppe unterteilt. In der Interventionsgruppe nahmen dreizehn Versuchspersonen zu, in der Kontrollgruppe nur zwei. Ein deutlicher Unterschied!
Besser denken
Außerdem zeigte sich, dass die Gewichtszunahme mit einer Verbesserung der geistigen Fähigkeiten einhergeht. Gilt das auch für die motorischen Fähigkeiten? Das ist leider nicht der Fall. Im Hinblick auf die Motorik und auf Bestandteile der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit wurde kein Unterschied festgestellt.
Veränderte Umgebung
Die Umgebung der Interventionsgruppe war verändert worden. Sie war viel gemütlicher. Es gab neue Fotos, andere Muster auf Tischdecken und Vorhängen, persönliche Gegenstände im Zimmer, Namensschilder an der Tür und große Spiegel in den Räumen.
Bunte Kleidung
Das Personal trug keine weißen Kliniksachen, sondern bunte Kleidung.
Selbst Essen auffüllen
Vor der Studie wurde in beiden Pflegeheimen das Essen auf die gleiche Weise aufgetischt: fix und fertig auf Tabletts. In der Interventionsgruppe wurden die Speisen nun in großen Schüsseln serviert. Die Bewohner konnten sich ihr Essen selbst auffüllen. Sie saßen öfter zusammen am Tisch und nahmen häufiger an Aktivitäten im Heim teil. Auch die Pflegekräfte profitierten davon: Sie fanden den Kontakt mit den Bewohnern und die Atmosphäre angenehmer.
Kurz und gut
Ein Interventionsprogramm sorgt dafür, dass alte Menschen mit Demenz wieder besser essen, an Gewicht zunehmen und dass sich ihre geistigen Leistungen verbessern. Form, Inhalt und Intensität der Schulung sind hierbei wichtig.
Einzelheiten der Studie
Was erwarteten die Wissenschaftler?
Die Wissenschaftler erwarteten, dass die Bewohner dank des Interventionsprogrammes zunehmen würden. Auch frühere Studien gelangten zu diesem Ergebnis. Aber geht mit dieser Gewichtszunahme auch eine Verbesserung der geistigen und motorischen Fähigkeiten einher?
Die Intervention
Woraus bestand die Intervention? Das Personal der Interventionsgruppe wurde zunächst von einem Psychologen und einem Professor eine Woche lang geschult. Die Schulung basierte auf Eriksons Theorie über die acht Stadien der psychosozialen Entwicklung. Zwanzig Stunden Unterricht und achtzehn Stunden Diskussion. Im Mittelpunkt standen Demenz, normale Alterungsprozesse, Umgebung, Kommunikation, Integrität, Verwirrung, zwischenmenschliche Beziehungen.
Hauptpunkte dabei waren:
Eins: sei integer gegenüber dem Bewohner.
Zwei: verbessere die Kommunikation.
Drei: schaffe eine ruhige, gemütliche Umgebung.

Unterstützung
Danach wurden die Inhalte der Schulung in die Pflege integriert. Das Personal wurde dabei intensiv unterstützt. Jeden Tag stand ein Forschungsassistent bereit, und drei bis vier Mal pro Woche kam ein Pflegewissenschaftler vorbei. Sie ermunterten das Personal, das neue Pflegekonzept in die Praxis umzusetzen.
Tagebuch
Vor der Studie wurde in beiden Pflegeheimen das Essen auf die gleiche Weise aufgetischt: fix und fertig auf Tabletts. Die Pflegekräfte wurden gebeten, ein Tagebuch über die Essgewohnheiten zu führen.
Zahlen
An der Studie nahmen zwei Pflegeheime teil. Aus einem davon stammte die Interventionsgruppe, die aus achtzehn Patienten bestand. Die Kontrollgruppe in dem anderen Pflegeheim umfasste fünfzehn Patienten.
Die Versuchspersonen hatten alle die Diagnose Alzheimer und erfuhren im täglichen Leben viele Beeinträchtigungen. Der Grad der Demenz wurde mit dem Mini-Mental-Status-Test gemessen.
Wiegen & messen
Die Versuchspersonen wurden zu Beginn der Studie und nach der Intervention gewogen. Das geschah nach dem Frühstück im Schlafanzug. Zwischen dem ersten und dem zweiten Wiegen lagen vier Monate.
Gemessen wurde Verschiedenes: motorische, geistige und seelische Beeinträchtigungen. Dazu wurden die GBS-Skala und die DD-Skala benutzt. Die Wissenschaftler erfassten auch Verwirrtheit, Gereiztheit, Angst, Stimmungslage und Unruhe. Schließlich erfassten sie biochemische Parameter in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.
Einschränkung
Eine Einschränkung dieser Studie liegt in der kleinen Zahl der Versuchspersonen. Außerdem wurde nicht festgehalten, wie viel die Menschen zu sich nahmen. Weil beide Gruppen jedoch das gleiche Essen bekamen, lässt sich die Gewichtszunahme auf Faktoren innerhalb des Pflegeheims zurückführen.
Quelle
„Weight increase in patients with dementia, and alteration in meal routines and meal environment after integrity promoting care“ A.G. Mamhidir, I. Karlsson, A. Norberg, M. Kihlgren. Journal of clinical nursing, 2007.
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